Die Wahrheit

ist, Herr Minck, dass dank Ihren Appetithäppchen, die Sie täglich in der BZ offerieren, unser Fasnachtshunger ins Unermessliche steigt und wir den Hungerast bis zum Morgenstreich wohlmöglich nicht überleben werden. Als ob das nicht schon tragisch genüg wäre, präsentieren Sie uns heute noch einen ganz besonderen Leckerbissen: Wir wollen und können dieses delizöse Hors d’oeuvre unseren Raviolibüxenöffer-Kollegen nicht vorenthalten und nehmen uns die Freiheit, es hier zu publizieren:

5 Moll schloofe …bis zem Morgestraich:

von Pierre A. Minck, Basellandschaftliche Zeitung

Das Raunen war gross in der Basler Fasnachtswelt, als sich am 29. Juli 2005, 20.05 Uhr, 19 aktive Tambouren und Pfeifer von den «Vereinigti Kleinbasler VKB», notabene der ältesten Basler Stammclique, lossagten und die Gruppierung «1884 Fasnachtsgesellschaft» ins Leben riefen. Den Namen wählten sie in Anlehnung ans Gründungsjahr der VKB und als Logo die rechte, zum Schwur erhobene Hand. Diese Hand fand sich auf der Jubiläumslaterne 1984 (100 Jahre VKB) mit dem Wahlspruch: «Mir schwööre, alles ischt uns liiber, als in unsrer Clique Wyyber!» Die Mitglieder der «1884 Fasnachtsgesellschaft» wollen also, im Gegensatz zur VKB, auch weiterhin auf «Weiber» in ihren Reihen verzichten. Doch wie gehts den wackeren Mannen heute? Ein Blick auf die Homepage hilft nicht weiter. Der letzte Termineintrag stammt vom 22. März 2009 (Fasnachtsbummel) und unter «Aggdivideete» findet man nur: «…sinn blaant und in Vorberaitig…» Wenn sie schon nicht Manns genug, die Homepage zu unterhalten, könnten sie bei den «Basler Amazone» Rat holen. Das sind zwar keine Pfeiferprimadonnen oder Trommelhündinnen, sondern eine Gugge – aber sie haben immerhin eine ordentlich gestaltete Homepage…

Mmmmh, das schmeggt dem aufgeschlossenen, modernen Fasnächtler von heute! Es schleckt ja schliesslich keine Geiss weg, dass Cliquen, die ausschliesslich aus Männern bestehen, nebst absolut unfasnächtlichen Sujets und Gossdyms auch immer diese verwahrlosten Internetseiten haben. Auch wir bekennen uns an dieser Stelle prophylaktisch mal schuldig. Da haben es Cliquen, die komplett auf Frauenfeindlichkeit und Sexismus verzichten, eben einfacher. Nebst bunten Gossdymstoffen, die manchmal sogar glitzern, haben die alle gehegte und gepflegte und stets topaktuelle Internetseiten, manche sogar mit einem animierten GIF auf der Frontpage!

Weshalb Sie, Herr Minck, Ihre offensichtliche Aversion gegenüber Männercliquen als Appetitmacher für die Fasnacht verwursten, bleibt uns ein Rätsel. Eines wissen wir jedoch: Sollten wir unseren Hinterbänkler-Verain jemals für ‚Wyyber‘ öffnen, schicken wir Ihnen eine Einladung.

1 thought on “Die Wahrheit

  1. nomen est omen (beau voir sei dank)

    wir bebbi haben das in unserem Stamm – Hirn verinnerlicht:

    „On ne naît pas femme, on le devient“.

    (– Simone de Beauvoir, geistige Aktivdenkerin und Passivmitgliederin Avant Garde Basler Bebbi erster Stunde, das sei hier mal verraten…)

    und wie wir in lieben: den Diskurs , weibliche und männliche Finessen getragen von gegenseitigem Respekt, herausschälend, steigern wir uns wahrer Verschmelzung entgegen! Da kommen uns die einzigen drei Tage der Läuterung gerade recht: Distanz bringt Klarheit, um uns wiederum im Unermesslichen zu erleuchten… frauenfreundlicher geht es gar nicht…
    ( kasch das verstoh?) Geläutert und rein wissen wir uns geistig und manchmal auch anderweitig zu verbinden… eine Quelle wahrer Schöpfung.

    dies zu erfahren ist ein Geheimnis, das, reduziert auf den eingeschränkten Blickwinkel der Fasnachtswelt, tatsächlich den Männercliquen vorbehalten bleiben wird.

    love me gender und allne e scheeni Fasnacht

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